Die Deutschen hängen am Bargeld – das Klischee stimmt noch immer, wenn auch mit Einschränkungen. Laut der Bundesbank-Studie zum Zahlungsverhalten 2023 werden noch etwa die Hälfte aller Bezahlvorgänge im Alltag bar abgewickelt. Doch die andere Hälfte ist spannender: Unbare Zahlverfahren legten seit 2021 um sieben Prozentpunkte zu und erreichen nun 49 Prozent. Besonders mobiles Bezahlen hat sich in dieser Zeit verdreifacht. Und noch eine andere Entwicklung zieht ihre Kreise, die in der Studie nicht auftaucht, aber in der Praxis spürbar wird: der Griff zu Prepaid-Guthaben für Online-Zahlungen.
Wer etwa erst einmal kostenlose Spiele wie Ultra Hot Deluxe ausprobiert, bevor er echtes Geld einsetzt, oder spontan In-Game-Währung kaufen will, lässt die Kreditkarte heute oft stecken. Gerade Spieler, die zunächst Ultra Hot Deluxe kostenlos spielen und dann auf Echtgeld umsteigen wollen, greifen lieber zur PaysafeCard an der Tankstelle als ihre Bankdaten preiszugeben. Auch bei Streaming-Abos, App-Store-Einkäufen oder Musik-Downloads setzen mehr Menschen auf Guthabenkarten. Was die Bundesbank als Vorteil von Bargeld identifiziert – den Schutz der Privatsphäre – suchen viele auch im digitalen Raum. Mit Prepaid-Systemen bekommen sie genau das: eine Art digitales Bargeld, anonym wie Scheine, aber ohne die Gefahr, dass Kriminelle nach einem Datenleck das komplette Konto ausräumen.
Die Liste der Sicherheitslücken im digitalen Alltag wird länger, nicht kürzer. Millionen Deutsche surfen noch immer mit veralteten Windows-10-Systemen ohne Schutz durchs Netz, hinzu kommen Phishing-Mails, die selbst versierte Nutzer täuschen, und Datenlecks bei Online-Shops und Zahlungsdienstleistern, deren Server gehackt werden. Wer bei jedem Einkauf seine Kreditkartendaten hinterlegt, multipliziert die Angriffsfläche mit jedem neuen Account.
Prepaid-Systeme funktionieren nach einem anderen Prinzip. Sie kappen die direkte Verbindung zwischen Internet und Bankkonto. Gelangt der 16-stellige Code einer PaysafeCard in falsche Hände, ist der Schaden auf das aufgeladene Guthaben begrenzt. Kein Zugriff auf Kontostände, keine Abbuchungen über den Gutscheinwert hinaus. Das Guthaben funktioniert wie eine Firewall zwischen Kriminellen und dem eigenen Bankkonto. Mehr als den aufgeladenen Betrag können sie nicht erbeuten.
Bei einer gestohlenen Kreditkarte sieht das anders aus. Dort haben Betrüger Zugriff auf die gesamte Kreditlinie und können tagelang einkaufen, bis der Missbrauch auffällt. Der Kontoinhaber muss dann oft monatelang mit der Bank streiten, um sein Geld zurückzubekommen. Bei Prepaid entfällt dieser Aufwand, allerdings auch die Aussicht auf Rückerstattung. Der Gutscheinwert ist verloren, mehr aber auch nicht.
Die Anbieter: Von PaysafeCard bis Prepaid-Mastercard
Das Prinzip ist denkbar einfach. An der Tankstelle oder im Supermarkt kauft man eine PaysafeCard, erhält einen 16-stelligen Code und gibt diesen beim Online-Bezahlen ein. Keine Registrierung, kein Konto, keine Bankverbindung nötig. Die Karte funktioniert bei tausenden Online-Shops weltweit, allerdings ohne Anmeldung nur für Zahlungen bis 50 Euro pro Transaktion.
Mit kostenloser Registrierung steigt das Limit auf 1.500 Euro, zusätzlich gibt es dann eine Debit-Mastercard, die sich mit Apple Pay oder Google Pay verknüpfen lässt. Selbst SEPA-Überweisungen sind möglich. Das verwandelt PaysafeCard faktisch in eine Art Light-Bankkonto auf Guthabenbasis.
Wer mehr Flexibilität braucht, greift zu Prepaid-Mastercards oder Visa-Karten von Anbietern wie Revolut oder Neteller. Diese lassen sich per App aufladen und mit Apple Pay oder Google Pay verknüpfen, was kontaktloses Bezahlen im Laden ermöglicht. Revolut bietet zusätzlich die Möglichkeit, mehrere Währungen auf einem Konto zu halten, was Reisenden Wechselkursgebühren erspart.
Einschränkungen gibt es trotzdem, etwa bei Autovermietungen oder Hotelkautionen, wo viele Anbieter Prepaid-Karten nicht akzeptieren. Ein anderes Beispiel für Prepaid-Modelle findet sich im Mobilfunkbereich. ALDI TALK etwa hat Datenpakete im Angebot, die sich nach Bedarf tages- oder wochenweise buchen lassen, ohne Grundgebühr oder Vertragsbindung.
Das Guthaben ist aufgebraucht, die Zahlung wird abgelehnt. Fertig. Dieses simple Prinzip macht Prepaid-Systeme zum perfekten Werkzeug für alle, die ihre Ausgaben im Griff behalten wollen. Jugendliche können erste Erfahrungen mit digitalem Bezahlen sammeln, ohne versehentlich in Abo-Fallen zu tappen. Eltern müssen sich keine Sorgen machen, dass der In-Game-Kauf außer Kontrolle gerät. Und wer generell zu impulsiven Käufen neigt, hat mit Prepaid eine eingebaute Bremse, die nicht verhandelbar ist. Überschuldung wird physisch unmöglich.
Die Bundesbank hat in ihrer Zahlungsverhaltensstudie festgestellt, dass Menschen an Bargeld vor allem den Schutz ihrer Privatsphäre schätzen. Genau das leisten Prepaid-Systeme im digitalen Raum. Kein Tracking, keine Profilbildung durch Banken oder Zahlungsdienstleister, keine Datensammlung für Werbezwecke. Der Online-Shop bekommt seine Bezahlung, mehr nicht. Für datenschutzbewusste Nutzer ist das ein entscheidender Vorteil gegenüber Kreditkarten, bei denen jede Transaktion gespeichert und analysiert wird.
Wer keine Kreditkarte bekommt oder kein reguläres Girokonto hat, bleibt beim Online-Einkauf oft außen vor. Prepaid-Systeme ändern das. Keine Schufa-Abfrage, keine Ablehnung wegen negativer Bonität. Das macht sie zu einem Instrument finanzieller Teilhabe für Menschen, die vom klassischen Bankensystem ausgeschlossen sind.
So praktisch Prepaid-Guthaben auch ist, ein vollwertiger Ersatz für ein Bankkonto bleibt es nicht. Wer dauerhaft darauf angewiesen ist, stößt spätestens beim Mietvertrag oder bei Gehaltszahlungen an Grenzen. Wie eine Bundestagsdebatte zum Recht auf ein Girokonto bereits 2011 zeigte, sind Menschen ohne Bankkonto vom wirtschaftlichen und sozialen Leben faktisch ausgeschlossen. Prepaid kann hier eine Brücke sein, aber keine Lösung.
Auch die Akzeptanz hat Lücken. Autovermietungen und Hotels verlangen häufig Kreditkarten mit Kreditrahmen, Prepaid-Varianten werden abgelehnt. Zudem können Gebühren anfallen, etwa Bereitstellungskosten bei längerer Nichtnutzung. Und die Regulierung wird strenger. Die fünfte EU-Geldwäscherichtlinie hat die Anforderungen an Identifizierungen verschärft, was die früher mögliche vollständige Anonymität einschränkt.
Am Ende läuft es auf eine Koexistenz hinaus. Prepaid-Systeme decken bestimmte Bedürfnisse ab, traditionelle Bankkonten andere. Wer beide