Wer bisher eine smarte Assistenz für seine Telefonate gesucht hat, musste unweigerlich zu speziellen Apps greifen. Das Hamburger IT-Unternehmen Tallence AG möchte diesen Umweg nun abschaffen. Mit einer neu entwickelten Software-Plattform wandert die künstliche Intelligenz künftig tief in den Maschinenraum der Provider – und ermöglicht völlig neue Funktionen bei ganz normalen Anrufen. Wir zeigen Ihnen, was das System kann und wo mögliche Stolpersteine liegen.
Bislang fungierten die Netze von Telekom, Vodafone, Telefónica und Co. vor allem als stumme Datenautobahnen. Mit der neuen Technologie namens „THOR Voice AI“ ändert sich dieses Prinzip grundlegend. Die künstliche Intelligenz wird direkt auf Netzebene implementiert. Für Sie als Nutzer bedeutet das einen massiven Komfortgewinn: Sie benötigen keine drittanbieter-App und kein High-End-Smartphone mehr. Die schlauen Features stehen bei jeder klassischen Sprachverbindung zur Verfügung, theoretisch sogar auf einem einfachen Tastenhandy, da die gesamte Rechenarbeit beim Netzbetreiber stattfindet.
Die Anwendungsmöglichkeiten, die sich durch die Netz-Integration ergeben, klingen nach Science-Fiction, sind aber bereits Realität. Stellen Sie sich vor, Sie rufen für Ihren nächsten Urlaub ein Hotel in Spanien an. Sie sprechen Deutsch in den Hörer, doch am anderen Ende der Leitung kommt Ihr Anliegen in fließendem Spanisch an. Solche Echtzeit-Übersetzungen gehören zu den Kernfunktionen des Systems.
Darüber hinaus kann der digitale Helfer auf Wunsch direkt im Gespräch aktiviert werden, um beispielsweise den Dialog in Textform zusammenzufassen, automatisch Termine in den Kalender einzutragen oder als eine Art intelligenter Empfangschef für Firmenkunden zu fungieren. Für die Provider ist das ein lukrativer Ansatz, um sich vom reinen Infrastruktur-Anbieter zum Dienstleister für smarte Sprach-Services zu wandeln.
So faszinierend die Technik auch ist, wir müssen hier den Finger in die Wunde legen. Wenn eine künstliche Intelligenz unsere Telefonate analysiert, protokolliert und übersetzt, bedeutet das zwangsläufig, dass eine Maschine permanent mithört. Auch wenn die Entwickler auf höchste Sicherheitsstandards pochen, müssen die Mobilfunkanbieter bei der Einführung beweisen, dass unser Fernmeldegeheimnis unangetastet bleibt.
Ein weiterer Punkt ist die Preisgestaltung. Es ist stark davon auszugehen, dass solche Premium-Dienste nicht einfach verschenkt werden. Ob sich Funktionen wie der Live-Übersetzer am Ende in teuren Zusatzpaketen verstecken oder ob sie als Inklusivleistung in Premium-Tarifen landen, wird die spannende Frage der nächsten Monate sein. Wir behalten die Entwicklung für Sie im Auge!
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