Künstliche Intelligenz krempelt aktuell unsere digitale Infrastruktur radikal um – insbesondere an der Schnittstelle zwischen Unternehmen und Verbrauchern. Doch wenn Sie nun glauben, dass die vollständige Automatisierung sämtlicher Kundenkontaktpunkte der heilige Gral ist, sollten Sie vorsichtig sein. Nicht alles, was technologisch machbar ist, wird von der Kundschaft auch bedingungslos akzeptiert. Eine aktuelle Untersuchung des Datenspezialisten Acxiom verdeutlicht, dass Verbraucher durchaus offen für smarte Algorithmen sind, solange der persönliche Mehrwert stimmt und sie die Zügel in der Hand behalten. Wir fassen für Sie zusammen, welche fünf Entwicklungen die Customer Experience (CX) bis zum Jahr 2026 maßgeblich prägen werden.
Interessant vorab: Die gefühlte Geschwindigkeit der digitalen Transformation überfordert viele. Laut der Studie geben sowohl 93 Prozent der befragten Firmen als auch 70 Prozent der Nutzer an, dass sich die Technologie rasanter entwickelt, als sie sich daran anpassen können. Dennoch wird fleißig experimentiert.
Obwohl smarte Chatbots und Voice-Assistenten immer präsenter werden, sind sie noch lange nicht der unangefochtene Lieblingskanal der Nutzer. Tatsächlich greifen knapp 60 Prozent der Konsumenten für Standardanfragen weiterhin lieber auf klassische Websites, dedizierte Apps oder eben den echten menschlichen Support zurück. Lediglich bei der Generation U35 wächst die Akzeptanz spürbar (44 Prozent). Auf der anderen Seite gehen fast alle Unternehmen (97 Prozent) von einer massiven Verbreitung in den kommenden Jahren aus. Hier gilt es für Sie künftig kritisch zu prüfen: Wo stiftet ein Bot echten Nutzen und wo nervt er Ihre Kunden nur, weil bewährte und schnelle Klick-Pfade blockiert werden?
Die Mehrheit der Firmen geht davon aus, dass Algorithmen in etwa einer Dekade einen Großteil der Kaufentscheidungen für uns treffen könnten. Verbraucher zeigen sich hier zwar grundsätzlich aufgeschlossen für smarte Produktempfehlungen, ziehen aber eine klare rote Linie: 65 Prozent haben das Gefühl, die Kontrolle über ihr eigenes Einkaufserlebnis zu verlieren, wenn die Maschine zu dominant agiert. Bevormundung ist also der falsche Weg. KI muss künftig als transparenter Assistent agieren, der Vorschläge macht, aber Ihnen als Nutzer stets die finale Entscheidungsmacht überlässt.
Die Geduldsspanne der Kundschaft sinkt rapide. Wenn ein digitaler Prozess heute zu kompliziert oder unübersichtlich ist, brechen mehr als 40 Prozent der Nutzer den Vorgang gnadenlos ab oder wechseln direkt zur Konkurrenz. Bei den jüngeren Zielgruppen ist dieser Anteil sogar noch höher. Die große Herausforderung für die kommenden Jahre wird es sein, Abläufe radikal zu vereinfachen, ohne dabei auf eine passgenaue Individualisierung zu verzichten. Die Technik muss im Hintergrund arbeiten, damit das Frontend für Sie als Anwender maximal aufgeräumt bleibt.
Kennen Sie das Gefühl, für eine simple Aufgabe zwischen drei verschiedenen Anwendungen hin- und herspringen zu müssen? Fast drei Viertel der Konsumenten empfinden diese Fragmentierung als extrem frustrierend. Die Lösung könnte in einer KI liegen, die plattformübergreifend als Schnittstelle fungiert und Aufgaben im Hintergrund synchronisiert. Voraussetzung dafür ist allerdings ein massives Grundvertrauen in den Datenschutz. Auch die Anbieter haben dieses Problem erkannt und suchen händeringend nach Wegen, um isolierte Datensilos aufzubrechen und Ihnen nahtlose Übergänge zu bieten.
Das sogenannte „Affective Computing“ – also Systeme, die menschliche Emotionen erfassen und darauf reagieren können – steht noch am Anfang, spaltet aber bereits die Gemüter. Nahezu 40 Prozent der Nutzer empfinden es als übergriffig, wenn eine KI ihre Gefühlslage analysiert. Paradoxerweise wünscht sich aber eine deutliche Mehrheit gerade in Stresssituationen eine „menschlichere“ und empathischere Reaktion von digitalen Systemen. Die Grenze zwischen hilfreicher Unterstützung und gruseligem Tracking ist hier hauchdünn. Algorithmen, die Emotionen nur auslesen, um den nächsten Kaufabschluss zu forcieren, werden vom Markt gnadenlos abgestraft werden.
Fazit: Wer in den nächsten Jahren blind auf jede KI-Sau aufspringt, die durchs digitale Dorf getrieben wird, wird scheitern. Erfolgreich werden die Plattformen sein, die Technologie sinnvoll mit strengem Datenschutz und echtem Kundenmehrwert verzahnen. Den vollständigen Trend-Report können Sie bei Interesse direkt auf der Webseite der Acxiom-Studie einsehen.
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