Es ist ein technischer Generationswechsel, der im Verborgenen stattfindet, aber im Ernstfall Leben retten kann. Die drei etablierten Netzbetreiber Telekom, Vodafone und O2 Telefónica haben heute den Startschuss für den sogenannten Next Generation eCall (NG eCall) gegeben. Damit verabschiedet sich das automatische Notrufsystem im PKW langsam aber sicher vom uralten GSM-Standard (2G) und wechselt auf zeitgemäße 4G- und 5G-Technologien.
Für Sie als Nutzer ändert sich in der Bedienung nichts, doch unter der Haube sorgt die neue Technik für deutlich schnellere Verbindungen zur Leitstelle und ermöglicht zukünftig völlig neue Rettungsszenarien.
Bisherige eCall-Systeme, die seit 2018 in Neuwagen Pflicht sind, basieren auf dem 2G-Standard. Das Problem: Die deutschen Netzbetreiber bereiten den Ausstieg aus dieser fast 40 Jahre alten Technik vor. Die Telekom plant die 2G-Abschaltung bereits für den Juni 2028, Vodafone will im September 2028 folgen (mit einer Gnadenfrist für IoT-Geräte bis 2030). O2 hält sich zwar noch bedeckt, wird aber langfristig ebenfalls nicht an 2G festhalten.
Ohne das Upgrade auf NG eCall würden Autos in Zukunft in ein Funkloch rufen. Mit der heutigen Freischaltung ist die Infrastruktur nun bereit für den Notruf über LTE (4G) und perspektivisch 5G.
Der größte Vorteil liegt in der Datenübertragung. Während das alte System oft quälend lange brauchte, um minimale Positionsdaten per Modem-Tonwahlverfahren zu übermitteln, nutzt NG eCall paketvermittelte Datenverbindungen. Das bedeutet:
Hier können wir Entwarnung geben: Es gibt einen Parallelbetrieb. Die Netzbetreiber lassen das alte 2G-basierte eCall-System so lange weiterlaufen, wie die 2G-Netze noch aktiv sind. Das neue NG eCall kommt dann zum Einsatz, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind:
Ist eine der beiden Komponenten noch nicht so weit, erfolgt automatisch ein „Fallback“ auf das alte System. Niemand bleibt also ohne Schutz.
Der Gesetzgeber hat den Druck ebenfalls erhöht. Seit Januar 2026 müssen alle komplett neu typgenehmigten Fahrzeugmodelle in der EU zwingend NG eCall unterstützen. Das bedeutet: Bringt ein Hersteller jetzt eine ganz neue Baureihe auf den Markt, muss LTE an Bord sein. Ab dem kommenden Jahr gilt diese Pflicht dann für ausnahmslos jede Neuzulassung, also auch für ältere Modelle, die noch neu verkauft werden.
Vielleicht fragen Sie sich, was mit dem vierten Netzbetreiber ist. 1&1 hält sich bei diesem Thema aktuell noch zurück. Der Grund ist simpel: Die Montabaurer haben derzeit noch keine Verträge mit Autoherstellern für die Erstausrüstung von Fahrzeugflotten (M2M/IoT). Sobald sich dies ändert, will man die Technologie aber ebenfalls implementieren.
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