Der Ausbau der digitalen Infrastruktur in Deutschland ist ein Dauerthema – oft verbunden mit Klagen über hohe Kosten, fehlende Fachkräfte und bürokratische Hürden. Telekommunikationsunternehmen stehen unter enormem Druck: Sie sollen immer schneller Glasfaser und 5G ausrollen, während gleichzeitig die Budgets knapper werden und erfahrene Techniker in den Ruhestand gehen. Eine neue Untersuchung der Managementberatung BearingPoint bringt nun eine Technologie ins Spiel, die dieses Dilemma lösen soll: sogenannte „Agentic AI“.
Wenn Sie bei KI bisher nur an ChatGPT oder einfache Textgeneratoren gedacht haben, müssen Sie umdenken. Die Studie „Agentic AI: A Game Changer for European Telco Network Rollouts“ beschreibt eine neue Evolutionsstufe. Es geht nicht mehr um bloße Assistenz, sondern um autonome KI-Agenten, die wie digitale Mitarbeiter agieren. Anders als klassische generative KI arbeiten diese Systeme zielorientiert, können Aufgaben selbstständig erledigen und sogar in Teams miteinander kooperieren.
Julius Hafer, Partner bei BearingPoint, beschreibt das Szenario als eine Symbiose aus Mensch und Maschine. Die KI übernimmt dabei komplexe Prozesse im Hintergrund, was gerade bei massenhaften Abläufen im Netzausbau – etwa bei der Genehmigungsplanung oder der Ressourcensteuerung – enorme Vorteile bringen soll.
Die Zahlen, die die Berater vorlegen, lassen aufhorchen. Basierend auf ersten Pilotprojekten rechnet die Studie vor, dass sich ein einziger solcher KI-Agent bereits nach wenigen Wochen amortisiert. Die konkreten Prognosen sehen vielversprechend aus:
Hochgerechnet auf ein großes Telekommunikationsunternehmen, das etwa 300 dieser digitalen Agenten einsetzt, ergibt sich laut BearingPoint ein Einsparpotenzial von rund 50 Millionen Euro jährlich. In einer Branche, die mit extrem hohen Investitionskosten (CAPEX) kämpft, ist das ein gewaltiger Hebel.
Doch bei aller Euphorie gießt die Analyse auch Wasser in den Wein. Die technische Machbarkeit ist das eine, die Realität in den Unternehmen das andere. Laut der Studie nutzen europäische Telko-Anbieter derzeit nur etwa ein Drittel des möglichen Potenzials. Es fehlt oft an grundlegenden Voraussetzungen: Klare Governance-Strukturen für KI fehlen ebenso wie definierte Rollenverteilungen oder standardisierte Vorlagen.
Viele Unternehmen stecken in der „Pilot-Falle“: Es gibt zwar interessante Einzelversuche, aber der Sprung in die breite Anwendung (Skalierung) gelingt nicht, weil die IT-Landschaften zu fragmentiert sind. BearingPoint rät daher, den Fokus weg von reiner Prozessoptimierung hin zu klaren Ergebnis Zielen zu lenken und die KI-Agenten nahtlos in bestehende Systeme einzubetten, statt Insellösungen zu bauen.
Wer tiefer in die Materie einsteigen möchte, findet die detaillierte Analyse direkt auf der Webseite von BearingPoint zum Download.
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